Stephen Hawking Krankheit: ALS, Leben im Rollstuhl und geistige Höchstleistung

Teilen
Stephen Hawking Krankheit: ALS, Leben im Rollstuhl und geistige Höchstleistung

Stephen Hawking war ein britische Astrophysiker, Forscher und Popstar der Wissenschaft zugleich. Trotz einer schweren Nervenkrankheit, die ihn nahezu vollständig lähmte, prägte er unser Verständnis von schwarzen Löchern und dem Urknall wie kaum ein anderer Physiker des 20. Jahrhunderts. Dieser Artikel beleuchtet die Krankheit von Stephen Hawking im Detail: Was ist ALS, wie verlief sie bei ihm, und warum konnte dieses Physik Genie trotz allem Höchstleistungen erbringen?

  • Geboren: 8. Januar 1942 in Oxford
  • Diagnose: 1963, im Alter von 21 Jahren
  • Prognose: Zwei Jahre Lebenserwartung
  • Tatsächliches Überleben: Mehr als 50 Jahre mit der Krankheit
  • Gestorben: 14. März 2018 in Cambridge, im Alter von 76 Jahren

Was ist ALS? Medizinische Details zu Hawkings Krankheit

Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS, ist eine schwere neurodegenerative Erkrankung. Sie zerstört die Motoneuronen in Gehirn und Rückenmark, also jene Nervenzellen, die Signale an die Muskeln senden. Das Ergebnis: fortschreitender Muskel-Schwund und Lähmung, während Wahrnehmung und geistige Klarheit oft erhalten bleiben.

  • Durchschnittliche Lebenserwartung nach Diagnose: nur 2, 5 Jahre
  • Symptome: Schwäche in Armen und Beinen, Probleme beim Gehen, Sprechen, Schlucken und Atmen
  • Ursachen: In 5, 10 % der Fälle genetisch, in den meisten Fällen unbekannt
  • Hawkings Form: Er nahm eine seltene, chronisch-juvenile Form der ALS an, die außergewöhnlich langsam fortschritt

Die Krankheit führte bei Hawking zu einem Verlust der Kontrolle über nahezu alle freiwilligen Muskeln, und doch blieb sein Kopf klar.

Verlauf der Krankheit bei Stephen Hawking: Von ersten Symptomen bis zur vollständigen Lähmung

  • 1962/63: Erste Symptome während des Studiums in Cambridge, Stolpern, undeutliches Sprechen, Ungeschicklichkeit. Die Diagnose erhielt er 1963 im Alter von 21 Jahren; Ärzte prognostizierten ihm nur noch wenige Jahre.
  • Ende der 1960er: Zunehmende Nutzung von Gehstöcken und Krücken. Seit 1968 war Hawking auf einen Rollstuhl angewiesen.
  • 1966, 1970er: Hawking konnte seine Doktorarbeit nicht selbst schreiben und war auf Unterstützung angewiesen. Dennoch schloss er seine Forschung über Singularitäten ab.
  • 1979: Berufung auf den Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik in Cambridge, eine Auszeichnung und einen Lehrstuhl, den einst Isaac Newton innehatte. Er war 30 Jahre lang Professor in Cambridge.
  • 1985: Schwere Lungenentzündung während einer Reise nach Genf. Nach einer schweren Lungenentzündung musste er 1985 einen Luftröhrenschnitt durchführen lassen. Er verlor nach diesem Luftröhrenschnitt die Fähigkeit zu sprechen.
  • Ab 1985: Kommunikation zunächst nur über Nicken und Augenbewegungen, dann über einen Sprachcomputer.
Das Bild zeigt einen elektrischen Rollstuhl, der vor einem beeindruckenden Sternenhimmel bei Nacht steht. Die funkelnden Sterne und die tiefblaue Himmelsfarbe schaffen eine Atmosphäre der Schwerelosigkeit, die an die Theorien von Physikern wie Stephen Hawking erinnert, der trotz seiner amyotrophen Lateralsklerose bedeutende Beiträge zur Wissenschaft geleistet hat.

Alltag im Rollstuhl: Pflege, Einschränkungen und Lebensqualität

Hawking war rund um die Uhr auf ein Team von Assistenten und medizinischem Personal angewiesen. Jede Pflegerin, jeder Herr aus dem Pflegeteam übernahm Aufgaben, die andere Menschen selbstverständlich erledigen.

  • Transfer zwischen Bett und Rollstuhl, Essen, Körperpflege, alles nur mit fremder Hilfe
  • Trotzdem hielt er Vorträge in London und weltweit, reiste zu Konferenzen
  • 2007 absolvierte er einen Parabelflug und erlebte Schwerelosigkeit
  • Hawking selbst sagte, seine Einschränkungen gäben ihm paradoxerweise mehr Zeit und Glück für tiefes Nachdenken

Hawking entwickelte neue Wege zum mentalen Denken bei der theoretischen Physik, er löste Gleichungen im Kopf, wo andere auf Papier rechneten.

Sprachcomputer, Roboterstimme und Kommunikation trotz ALS

Nach dem Luftröhrenschnitt 1985 verlor Hawking seine Stimme vollständig. Er kommunizierte fortan über einen computerbasierten Sprachsynthesizer, der zu einem der bekanntesten Klänge der Wissenschaft wurde.

  • Frühe Phase: Handtaster zur Auswahl von Wörtern auf einem Bildschirm (Software von Words Plus)
  • Spätere Technik: Infrarotsensor an seiner Brille erkannte minimale Bewegungen der Wangenmuskulatur
  • Geschwindigkeit: Anfangs 10, 15 Wörter pro Minute, später nur noch etwa ein Wort pro Minute
  • Die Stimme: Ein amerikanischer Sprachsynthesizer, den er bewusst beibehielt, etwas Besseres gab es, doch diese Stimme war seine Art, sich auszudrücken
Die Nahaufnahme zeigt einen Computerbildschirm mit einem blinkenden Textcursor und einer Tastatur, umgeben von gedämpftem Licht. Diese Szene könnte an die Arbeit von Wissenschaftlern wie Stephen Hawking erinnern, die trotz ihrer Herausforderungen in der Physik und Astrophysik bedeutende Beiträge geleistet haben.

Hawkings Stimme als kulturelles Symbol

Seine computergenerierte Stimme wurde zu einem unverwechselbaren Teil seiner öffentlichen Persönlichkeit. Man kennt sie aus Dokumentationen, Werbespots und Gastauftritten in Serien. Er war kein gewöhnlicher Wissenschaftler, sondern ein Popstar der Astrophysik.

  • Gastauftritte in „Star Trek: The Next Generation" und „The Big Bang Theory"
  • Einsatz der Stimme in Kampagnen und Medienauftritten weltweit
  • Humor und Selbstironie machten ihn zu einem der Genies, die man nicht nur bewunderte, sondern auch mochte

Wissenschaftliche Höchstleistungen trotz Krankheit: Schwarze Löcher und das Universum

Im Rollstuhl, ohne Stimme, nahezu vollständig gelähmt, und doch leistete dieser Astrophysiker Beiträge, die die Physik veränderten.

  • Singularitäten und Urknall: Er entwickelte zusammen mit Roger Penrose mathematische Theoreme über Singularitäten, die zeigen, dass die Relativitätstheorie auf einen Anfang des Universums hinweist.
  • Schwarze Löcher: Hawking zeigte, dass schwarze Löcher nicht vollkommen schwarz sind, sondern Strahlung abgeben können, die sogenannte Hawking Strahlung. Diese Idee verband Quantenphysik, Thermodynamik und Allgemeine Relativitätstheorie.
  • Form des Universums: Gemeinsam mit James Hartle entwickelte er Theorien über ein Universum ohne klassischen Anfang, wie eine geschlossene Oberfläche ohne Rand.
  • Bücher: Hawking verfasste das populärwissenschaftliche Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit", diktiert über seinen Sprachcomputer. Zudem veröffentlichte er drei Kinderbücher über das Universum, geschrieben zusammen mit seiner Tochter Lucy.
Das Bild zeigt ein leuchtendes schwarzes Loch im Weltraum, umgeben von einer hellen Akkretionsscheibe, die die physikalischen Theorien von Astrophysikern illustriert. Diese Darstellung erinnert an die Beiträge von Stephen Hawking zur Wissenschaft und zur Erforschung der geheimnisvollen Natur schwarzer Löcher im Universum.

Leben mit ALS: Persönlichkeit, politisches Engagement und Vermächtnis

Sein Leben wurde zu einem Symbol für menschlichen Widerstand gegen körperliche Grenzen. Doch Hawking war mehr als seine Krankheit.

  • Persönlichkeit: Humor, Eigenwilligkeit und Leidenschaft prägten ihn. Kein Foto von ihm ohne das verschmitzte Lächeln.
  • Familie: Zwei Ehen, zuerst mit seiner Jugendliebe Jane Wilde (1965, 1995), dann mit seiner Frau Elaine Mason (1995, 2006). Drei Kinder: Robert, Lucy und Timothy. Die Ehe und das Leben mit Kindern unter extremer Pflegebedürftigkeit waren alles andere als einfach.
  • Kirche und Gott: Hawking wurde 1986 in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften aufgenommen, trotz seiner Aussage, das Universum brauche keinen Gott als Anfang. Der Papst und der Physiker: ein bemerkenswerter Kontrast.
  • Engagement: Warnungen vor Klimawandel, unkontrollierter KI, menschengemachtem Virus und Atomwaffen. Seine Forderung: Die Menschheit müsse langfristig ins All aufbrechen, um zu überleben.
  • Ruhm und Licht: Wie Reuters und DPA weltweit berichteten, brachte Hawking das Thema ALS ins öffentliche Bewusstsein und ermutigte unzählige Menschen mit Behinderungen.
  • Vermächtnis: Sein Name bleibt untrennbar mit dem Verständnis von schwarzen Löchern und der Frage nach der Natur des Universums verbunden. Sein Beispiel zeigt, dass körperliche Grenzen geistige Leistung nicht ausschließen, eine Idee, die weit über die Mathematik und Quantenphysik hinausreicht.

Weiterlesen