Preisschock für Dampfer: Treibt die Steuerpolitik Bürger zurück zur Tabakzigarette?
Die deutsche Tabaksteuerreform sollte eigentlich der Gesundheitspolitik dienen und E-Zigaretten stärker regulieren. Doch nun, nach Inkrafttreten der entscheidenden Stufen des Tabaksteuermodernisierungsgesetzes (TabStMoG), zeigt sich ein ernüchterndes Bild in der Wirtschaft. Statt einer geordneten Marktregulierung beobachten Experten eine massive Abwanderung der Konsumenten in illegale Kanäle und eine existenzbedrohende Krise für den mittelständischen Fachhandel. Die staatlichen Einnahmen bleiben hinter den Prognosen zurück, während der Schwarzmarkt floriert.
Diskrepanz zwischen Herstellungskosten und Abgabenlast
Der Kern des Problems liegt in der Struktur der Steuer selbst. Anders als bei herkömmlichen Tabakzigaretten setzt der Gesetzgeber bei E-Zigaretten auf eine Volumenbesteuerung der Flüssigkeiten. 2024 startete diese Besteuerung mit 20 Cent pro Milliliter. Seit der letzten Erhöhung am 1. Januar 2026 fallen pro Milliliter sogar 32 Cent Steuer an, zuzüglich der Mehrwertsteuer auf die Gesamtstumme. Was bei kleinen Mengen kaum ins Gewicht fällt, sorgt bei Vorratsflaschen natürlich für wirklich absurde Preissteigerungen.
Besonders hart trifft es Nutzer offener Systeme, die ihre Geräte selbst befüllen. Für diese Verbrauchergruppe sind sogenannte Liquids essenzieller Bestandteil des Dampfens, doch die Besteuerung hat hier zu einer Vervielfachung des Endpreises geführt. Ein Liter der notwendigen Basisflüssigkeit, der vor der Steuerreform für rund zehn Euro erhältlich war, kostet nun inklusive Steuer weit über 300 Euro. Der eigentliche Warenwert und die darauf erhobene Steuer stehen in keinem wirtschaftlich vernünftigen Verhältnis mehr zueinander. Diese Diskrepanz führt dazu, dass legale Produkte für viele Konsumenten finanziell unattraktiv werden. Ein Effekt, den eigentlich keiner wollen kann!
Ausweichbewegungen in die Schattenwirtschaft
Die Konsequenz dieser Preispolitik ist eine Renaissance des Schmuggelwesens und der Zweckentfremdung. Da die chemischen Bestandteile der Dampfflüssigkeiten – Propylenglykol und pflanzliches Glycerin – auch in der Lebensmittel-, Kosmetik- und Tierfutterindustrie Verwendung finden, weichen viele Dampfer auf steuerfreie Produkte aus diesen Branchen aus. In Online-Foren tauschen sich Nutzer darüber aus, welche Glyzerin-Flaschen aus dem Reitsportbedarf sich zum Inhalieren eignen. Eine gesundheitliche Kontrolle findet hier nicht mehr statt.
Parallel dazu wächst der grenzüberschreitende Schmuggel. Während der Zoll stichprobenartig kontrolliert, gelangen täglich mutmaßlich tausende Liter unversteuerter Ware über die Grenzen oder werden direkt über dubiose Webshops aus Fernost bestellt. Der deutsche Fachhandel, der sich an die strengen Auflagen hält und Steuern abführt, sieht sich einem ungleichen Wettbewerb ausgesetzt, den er kaum gewinnen kann. Zahlreiche Fachgeschäfte mussten bereits schließen.
Verdrängungseffekt statt Rauchstopp
Aus gesundheitspolitischer Sicht wirft die Entwicklung Fragen auf. Das erklärte Ziel der Bundesregierung war es ursprünglich, die Raucherquote zu senken. Die E-Zigarette gilt unter Suchtmedizinern als wirksames Mittel zur Schadensminimierung (Harm Reduction) für starke Raucher. Durch die massive Verteuerung der E-Zigarette schwindet jedoch der finanzielle Anreiz für den Umstieg vom Tabak.
Gleichzeitig fördert die aktuelle Steuerstruktur ungewollt die ökologisch bedenklichen Einweg-E-Zigaretten (Disposables). Da diese Geräte nur zwei Milliliter Flüssigkeit enthalten, fällt die Steuerlast hier mit 40 Cent pro Gerät kaum ins Gewicht. Der Nutzer zahlt also für das umweltschädlichste Produkt verhältnismäßig wenig Aufschlag, während die nachhaltigeren, nachfüllbaren Systeme durch die Volumensteuer massiv belastet werden.
Beobachter warnen davor, dass die nächsten geplanten Stufen der Steuererhöhung diese Effekte weiter verstärken werden. Sollte die Steuer wie geplant weiter ansteigen, droht der legale Markt für offene Systeme fast vollständig auszutrocknen. Übrig blieben dann einerseits die großen Tabakkonzerne mit ihren geschlossenen Systemen und andererseits ein unkontrollierbarer Schwarzmarkt. Die ursprüngliche Intention, Einnahmen zu generieren und den Jugendschutz zu stärken, läuft Gefahr, durch die Realität der Marktkräfte konterkariert zu werden.