Der Kempa-Trick im Handball: Entstehung, Ausführung und Bedeutung

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Der Kempa-Trick im Handball: Entstehung, Ausführung und Bedeutung

Einführung: Was ist der Kempa-Trick?

Der Kempa-Trick ist einer der spektakulärsten Spielzüge im Handball. Ein Spieler springt vor der Torraumlinie ab, fängt einen Pass seines Mitspielers in der Luft und wirft den Ball direkt aufs Tor, bevor seine Füße den Boden berühren. Benannt ist der Trick nach der Handball-Legende Bernhard Kempa, die diesen Spielzug 1954 erstmals in einem Länderspiel einsetzte. Der Kempa-Trick ist im Duden definiert und hat sich vom Eigennamen zum festen Fachbegriff entwickelt. Bei großen Turnieren wie Europameisterschaften, Weltmeisterschaften oder Olympia liefert er regelmäßig Material für Highlight-Videos und „Tor des Monats"-Einsendungen.

Die Aktion des Kempa-Tricks kombiniert technisches Können mit Timing. Im Kern besteht sie aus drei Elementen:

  • Sprung: Der Flieger springt vor der 6-Meter-Linie in Richtung Torraum ab. Er braucht Sprungkraft, Körperkontrolle und Mut.
  • Pass: Der Passgeber spielt den Ball über die gegnerische Abwehr in die Luft. Beim Kempa-Trick wird der Ball in den Raum vor dem gegnerischen Torraum gespielt.
  • Torwurf: Der Flieger fängt den Ball in der Luft, die Ballannahme erfolgt mit einer oder beiden Händen, und der Handballspieler wirft sofort aufs Tor. Der Ball muss die Hand des Werfers vor dem Bodenkontakt im Torraum verlassen.
Ein Handballspieler springt in die Luft, um während eines Spielzugs den Ball zu fangen und in Richtung Tor zu werfen. Im Hintergrund sind begeisterte Zuschauer in einer Halle zu sehen, die die aufregende Handball-Szene verfolgen.

Geschichte: Bernhard Kempa und die Entstehung des Tricks

Bernhard Kempa wurde 1920 in Orzesche (Oberschlesien) geboren. Als junger Mann spielte er im Nachkriegsdeutschland sowohl Feld- als auch Hallenhandball. Sein Weg führte ihn zum Verein Frisch Auf Göppingen, wo er als Handballer und späterer Trainer die Spielkultur des Clubs über Jahrzehnte prägte. Mit Göppingen wurde Kempa deutscher Meister, der Verein entwickelte sich unter seinem Einfluss zum Serienmeister im deutschen Handball.

Auf internationalem Feld gehörte Kempa zur Auswahl der Nationalmannschaft. Als 31-facher Nationalspieler im Handball gewann er 1952 und 1954 die Weltmeisterschaft im Feldhandball. Die Sportjournalisten der damaligen Zeit nannten ihn „Monsieur Handball"; ein Titel, der seine Stellung als Weltmeister und Namensgeber eines ganzen Spielzugs widerspiegelte. In der Welt des Nachkriegshandballs war er für den Sport, was Fritz Walter für die Fußballer bedeutete.

Der Kempa-Trick wurde 1954 von Bernhard Kempa erfunden. Am 24. März 1954 trat eine deutsche Mannschaft in der Schwarzwaldhalle in Karlsruhe zu einem inoffiziellen Länderspiel gegen Schweden an. Kempa fungierte als Passgeber, sein Partner Horst Singer als Flieger. Beim ersten Versuch misslang der Pass. Beim zweiten Versuch fing Singer den Ball in der Luft und erzielte das Tor. Damit war der Spielzug geboren, der bis heute den Namen Kempa trägt. Walter Kessler und andere Mitspieler im Team waren Zeugen dieses Moments.

Nach seiner aktiven Karriere arbeitete Kempa als Trainer bei Frisch Auf Göppingen und als akademischer Sport-Dozent in Esslingen. Er gab die Technik methodisch an Nachwuchsspieler weiter; die sogenannten „Kempa Buben" wurden in Göppingen zum festen Begriff für Spieler, die den Trick beherrschten. Im Alter blieb Kempa dem Sport treu: Er feierte 2004 seinen 84. Geburtstag und wurde 1991 sogar Weltmeister im Tennis-Doppel beim DSB. Bernhard Kempa starb 2017 in Bad Boll.

Im Lauf der Jahrzehnte wandelte sich der Name vom Eigennamen zum Eintrag in Wörterbüchern und Regelwerken. Kommentatoren sprechen von „einem schönen Kempa", und der Kempa-Trick ist 50 Jahre alt geworden, als er 2004 Jubiläum feierte. In anderen Ländern kennt man den Spielzug als „flyer" oder „in-flight goal"; in der französischen Handballszene ist er manchmal als „kung fu" bekannt. Aber der Name Kempa blieb der Trumpf, der sich weltweit durchsetzte.

Die historische Szene zeigt ein Feldhandballspiel aus den 1950er-Jahren, in dem Spieler in kurzen Hosen und hellen Trikots auf einem Rasenfeld gegeneinander antreten. Die Schwarz-Weiß-Atmosphäre unterstreicht die sportliche Dynamik und den Spielzug der Handballlegenden, die mit Sprungkraft und Ballannahme um den Sieg kämpfen.

Technik: Wie der Kempa-Trick im Handball funktioniert

Einen Kempa-Trick erfolgreich auszuführen, erfordert Präzision und Synchronisation zwischen mindestens zwei Spielern. Der Ablauf folgt einer klaren Reihenfolge, die im Training dutzende Male geübt wird, bevor sie im Spiel funktioniert.

Ablauf Schritt für Schritt

  1. Laufweg und Anlauf: Der Flieger, typischerweise ein Außenspieler oder Kreisläufer, startet mit hohem Tempo in Richtung Torraum. Sein Laufweg muss so gewählt sein, dass die gegnerische Abwehr gebunden wird.
  2. Absprung: Der Sprung erfolgt knapp vor der 6-Meter-Linie. Ein Spieler darf den gegnerischen Torraum nicht betreten, um einen Vorteil zu erlangen. Der Absprungpunkt ist deshalb entscheidend.
  3. Pass in die Luft: Der Passgeber, oft ein Rückraumspieler, hebt den Ball über die Abwehr in den Raum, den der Flieger anfliegt. Der Kempa-Trick erfordert perfektes Timing zwischen Passgeber und Angreifer; eine halbe Sekunde zu früh oder zu spät macht den Spielzug zunichte.
  4. Ballannahme in der Luft: Der Flieger fängt den Ball während des Fluges. Die Ballannahme kann mit einer oder mit beiden Händen erfolgen.
  5. Torwurf vor der Landung: Ohne den Boden im Torraum zu berühren, wirft der Flieger sofort aufs Tor. Der Ball muss seine Hand verlassen, bevor er auf dem Boden landet.

Rollen und Zusammenspiel

Der Kempa-Trick erfordert präzises Timing zwischen Pass und Sprung. Drei Rollen bestimmen den Erfolg:

  • Passgeber: Braucht Übersicht, Passgenauigkeit und die Fähigkeit, die Flugbahn des Balls exakt auf den Flieger abzustimmen. Blickkontakt oder abgesprochene Signale steuern das Zusammenspiel.
  • Flieger: Muss Sprungkraft, Körperkontrolle in der Luft und eine sichere Fangtechnik mitbringen. Viele Handballspieler trainieren den Sprung mit Übungen aus dem Volleyball-Bereich, um Höhe und Koordination zu verbessern.
  • Gegner und Torwart: Ein erfolgreicher Kempa-Trick erschwert dem Torwart die Abwehr, weil der Wurf aus kurzer Distanz, aus unerwarteter Richtung und in hohem Tempo kommt. Der Kempa-Trick kann die Verteidigung überraschen, da er schnell ausgeführt wird.

Typische Spielsituationen

Kempa Tricks kommen nicht zufällig zustande. Sie werden gezielt eingesetzt in:

  • Schnellen Gegenstößen nach Ballgewinn, wenn die gegnerische Mannschaft noch nicht formiert ist
  • Überzahlsituationen, in denen die Abwehr Lücken bietet
  • Vorbereiteten Auslösehandlungen im Positionsangriff, bei denen ein Mitspieler die Abwehr bindet und ein leerer Raum vor dem Tor entsteht
  • Aus dem Rückraum oder vom Flügel, je nach taktischer Anlage

Kempa im Beach Handball

Im Beach Handball hat der Kempa-Trick eine Sonderstellung. Der Kempa-Trick wird im Beach-Handball mit zwei Punkten belohnt, während ein normaler Treffer nur einen Punkt zählt. Laut IHF-Regelwerk gilt jedes Tor, bei dem der Spieler den Ball in der Luft kontrolliert und im Flug wirft, als „spektakuläres Tor". Der Sand auf dem Spielfeld verändert die Bedingungen: Die Sprungkraft ist eingeschränkt, die Anlaufdistanz kürzer, und die Landung birgt Risiken. Trotzdem gehört der Kempa zum Standardrepertoire vieler Beach-Handball-Mannschaften, weil der doppelte Punktgewinn den Spaß und den taktischen Vorteil vereint.

Ein Beach-Handball-Spieler springt über das sandige Spielfeld und fängt in der Luft einen Ball, während die Sonne scheint und das Publikum im Hintergrund jubelt. Diese beeindruckende Ballannahme zeigt die Sprungkraft und Technik des Handballspielers, der Teil eines spannenden Spiels ist.

Bedeutung heute: Kempa-Trick, Varianten und Kultstatus

Warum der Trick Kultstatus hat

Der Kempa-Trick verbindet technische Schwierigkeit mit Teamwork und Show-Effekt. Kein anderer Spielzug im Handball vereint diese drei Elemente auf so engem Raum und in so kurzer Zeit. Bei Turnieren des Deutschen Handballbundes und internationalen Wettbewerben sorgen gelungene Kempas für Jubelstürme; ein TSV 1860 München Jugendtrainer erzählte einmal, dass kein anderer Trick im Training so viel Spaß auslöst wie der Kempa. Das Finale eines großen Turniers mit einem Kempa-Tor zu entscheiden, gehört zu den Momenten, die Fans auch Jahre später noch beschreiben können.

Moderne Varianten

Aus dem einen Trick von 1954 ist ein ganzes Repertoire geworden:

Variante

Beschreibung

Rückraum-Kempa

Der Flieger startet aus der zweiten Reihe statt vom Flügel

No-Look-Kempa

Der Passgeber spielt den Ball ohne Blickkontakt zum Flieger

Doppel-Kempa

Zwei Spieler springen nacheinander; der erste gibt in der Luft an den zweiten weiter

Flügel-Kempa

Der Flieger nutzt den schmalen Winkel vom Außen und überwindet den Torwart aus spitzem Winkel

Kempa über den Kreis

Der Ball wird über den Kreisläufer umgelenkt, bevor der Flieger ihn empfängt

Eine norwegische Hallenmannschaft erzielte einmal fünf Kempa-Tricks in Folge; ein Rekord, der bis heute als Eintrag in der Kempa-Geschichte steht. Im Beach Handball sind Mehrfach-Kempas pro Spiel keine Seltenheit, da der Zwei-Punkte-Bonus den Trick zur bevorzugten Abschlussform macht.

Die Marke Kempa

Aus dem Namen der Handball-Legende wurde eine Marke. Die Firma Kempa, Teil der Uhlsport-Gruppe, liefert seit etwa 2002 Ausrüstung für den Handballsport: Trikots, Schuhe, Bälle und anderen Bedarf für Nationalmannschaften und Bundesligisten. Der Erfinder des Tricks hätte sich wohl kaum vorgestellt, dass sein Name eines Tages auf dem Feld und in der Halle als Marke auf den Trikots steht.

Kempa-Trick im Nachwuchstraining

Im Training junger Handballspieler folgt der Aufbau einem klaren Stufenmodell:

  1. Grundlagen: Sprungkraft-Übungen, Fangen in der Luft, Sprungwurf ohne Pass
  2. Kempa-Basis: Zusammenspiel mit einem Passgeber, Pass und Fang in der Luft bei reduziertem Tempo
  3. Varianten: Richtungswechsel, Rückhand-Kempa, Abschluss aus verschiedenen Positionen
  4. Wettkampfanwendung: Einbau in vorbereitete Spielzüge mit Gegner und Torwart

Vereine wie Frisch Auf Göppingen haben den Kempa-Trick fest in ihre Jugendarbeit integriert. Die Erfolge des Nachwuchses hängen nicht nur vom Trick selbst ab, sondern von der Bereitschaft, Fehler zu machen; viele Bälle landen zunächst neben dem Tor oder auf dem Boden, bevor der erste Kempa in einem Handballspiel gelingt. Entscheidend sind Geduld, ein guter Trainer und Übungen, die Schritt für Schritt Sicherheit aufbauen.

Ein junger Handballspieler führt Sprungübungen an der Torraumlinie in einer Halle durch, um seine Sprungkraft zu verbessern. Die Umgebung ist mit Matten und Handballtoren ausgestattet, die für das Training des Handballspiels wichtig sind.

Ein lebendiges Stück Handballgeschichte

Der Kempa-Trick ist mehr als ein einzelner Titel in der langen Liste handballerischer Finessen. Er verbindet die Geschichte des Spiels von Bernhard Kempas erstem Pass in München und Karlsruhe über die Ära des Feldhandballs bis zu den heutigen Stars im Beach Handball auf dem Sand. Wer den Trick einmal im Spiel gesehen hat, versteht, warum er seit über 70 Jahren Bestand hat: Er verwandelt ein Handballspiel für einen kurzen Moment in reines Spektakel.

Wer selbst einen Kempa-Trick lernen will, braucht einen Mitspieler mit gutem Pass, genug Sprungkraft und die Bereitschaft, im Training oft danebenzugreifen. Der Lohn ist ein Spielzug, der jede Halle zum Kochen bringt.

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